-- [ Lady Ann ] -- [ 13.07.2023 - 13.06.2024 ] -- [ www.freietonne.de ] --


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Treib
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01.01.20140/
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Lady Ann, mit Mann und Maus !

Unser Schiff:
Stahlverdränger: L/B/T 10,0m/3,3m/1,1 m
Durchfahrhöhen: 4,1m ü.A./2,9m Fensteroberkante: 2,45m minimum

Motor: Mercedes Diesel 62 PS
Getriebe: Velvet Borgwarth

Beiboot: Kleine Lady
Antrieb: Meistens die guten Ruderriemen. Zur Not ist aber auch der 2,5 PS Mercury AB standby.

Weitere Technik:
Für die 12V Stromversorgung stehen 3 Batteriebänke zur Verfügung (seit 2016):
Motor: 90Ah (galvanisch getrennt mit Trenndiode)
Bordstrom 1: 90Ah Blei/Säure wartungsfrei
Bordstrom 2: 110Ah Blei/Säure wartungsfrei (getrennt per Umschalter)
Einspeisung über LiMa und Solar, ganz selten 220V Ladegerät.

Gaswarnanlage, Einbruch-Alarmanlage.
Motorkühlung über Seewasser mit Auspuffkühlung.
Tanks: 200 l Kraftstoff/180 l Frischwasser.

Dazu der nautische Schnickschnack wie Echolot, Kompass usw.

Anmerkung zur Bordstromversorgung:
Das Konzept mit meinen ehemals hohen Bordstrom Akku-Kapazitäten (300-400Ah) hat sich nicht als effizient erwiesen. Hohe Anschaffungspreise der Akkus bei doch relativ geringen Standzeiten (4-6 Jahre) haben mich zum Umdenken gezwungen. Zum Saisonstart 2021 waren wieder mal 2 Akkus a 110 Ah platt (Zellenkurzschluss). Bei der erforderlichen Investition von gut 220 € habe ich mich entschieden, statt neue Akkus zu kaufen, die 18 Jahre alte 60 Watt Solarpanels gegen eine neu 100 Watt Monocristal Panel zu tauschen und die beiden Bordbänke kapazitiv auszudünnen. Für den Urlaub war ich mit 110 Ah (Bank 1) und 85 Ah (Bank 2) unterwegs und habe nie Probleme bekommen. Die Kostenersparnis, immerhin gut 150 € habe ich zusätzlich in 2 leistungsgerechte hypermoderne Ladegeräte mit 8 Ladestufen und IUoU Kennlinie investiert. Dabei hoffe ich, dass mir Zellenkurzschlüsse und ähnliches Ungemach zukünftig erspart bleiben. Die Ladegeräte sind jeweils mit 20A ausgelegt, so dass sie niemals an ihre Belastungsgrenze kommen.




Zur Innenausstattung gehört:
Kombüse mit 2 flam. Gasherd, Kühlschrank, Abwaschbecken und 4er Sitzgruppe.
Salon mit LED Fernseher (Satelitenempfang), Radio/CD/USB
Schlafkabine im Heck plus 2 Behelfsbetten in der Bugspitze
Toilette mit elektr. Spülung und Waschtisch
Gesamter Innenausbau aus Mahagoni- Echtholz
Leider verfügt unser Schiff immer noch über eine Gas-Katalyt-Heizung, da ich noch nicht dazu gekommen bin, die Truma-Umluftheizung einzubauen.

Zur Außenausstattung gehören:
2. Steuerstand, klappbarer Geräteträger (Edelstahl, Edelstahlreeling und Davids, Badeplattform, Sat-Schüssel, 100 W Solarpaneele, rundum Sicherheitsverglasung mit Alu-Rahmen (2007)

Der Liegeplatz ist seit diesem Frühjahr der Hafen des WS Friesland in Emden, wo wir uns bereits nach kürzester Zeit pudelwohl fühlen.

Und nun zur Crew:
In Freundeskreisen werde ich eigentlich nur Kaeptn Harry genannt.
Mein "Patent", den Sportbootführerschein Binnen und Buiten, habe ich seit den frühen 90er Jahren. Etwas später haben wir uns dann das erste Schiff zugelegt, die MS Reni. Im Jahr 2000 musste es dann der obligatorische "Ein Meter Länger" sein. Seit dem läuft die Lady Ann unter unserer Flagge.
Genau genommen ist meine Frau als Eignerin eingetragen und nicht nur deshalb ist sie, aller Orts kurz Reni genannt, mehr als 2. Steuermann.
Sie teilt meine Leidenschaft als Skipper ohne Einschränkung, ist oft sogar noch viel verrückter als ich. Das betrifft nicht nur die vergnüglichen Seiten der Freizeitschifffahrt, sondern gilt auch dann wenn es gilt, mit anzupacken, wie bei Renovierungsarbeiten, z.B. beim letzten Winterlager.

Über meine Hobbys und Interessen berichte ich im Übrigen auf meiner eigenen Website im Internet unter (k-h-o.de)

#Saisonstart 2014 [Klick hier]

#Törnbericht Emden - Berlin 2014 [Klick hier]

#Törnbericht Reise in die Vergangenheit 2016. Von Emden übers Ruhrgebiet, Rhein, Ijssel, zurück nach Emden. [Klick hier]

#Törnbericht Herbst 2021 Unterwegs in der Provinz Groningen [Klick hier]

#Törnbericht Sommer 2022 Zu Zeiten des Spritpreis Wahnsinns führt die Kompassnadel ihr Eigenleben [Klick hier]


#Törnbericht 2023 Harry und sein Törnplan. Statt Ost (Elbe) oder West (Niederlande) geht's nun nach Süden (Ruhrgebiet, Rhein und dann Mal schaun) [Klick hier]


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Datum km/
h
Ort Entf.
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13.07.20239/
4
DEK/MLK Nasses Dreieck
L: 7°36'08", B: 52°16'40" | google-maps
9.13.60.0

Eigentlich wollten wir nur 2 Tage in Altenrheine bleiben. Erstmal mit dem Rad in die City von Rheine. Dort eine Kleinigkeit essen (Bratwurst im Brötchen beim legendären "Bratwurstspezialisten" für uns ein "must-have" und bei der Hitze noch einen halben Liter Bier in eines der Kneipen am Marktplatz. So ging es zufrieden zum Boot zurück. Unterwegs noch eine Speisekarten vom Vietnamesen "Saigon" mitgenommen. Man weiß ja nie.

Naja, der Lieferdienst vom Saigon hat abends unser Boot im ehemaligen Schleusenvorhafen anstandslos gefunden. Das alles hört sich nach Urlaubsfeeling an. Daran ändert am nächsten Tag auch der geplante Ölwechsel und kleinere Inspektionsarbeiten noch nichts. Gegen Abend sollte dann alles anders kommen. Anruf von unserer Homesitterin: Daheim ist nach einem Blitzeinschlag im Nachbarhaus der Strom ausgefallen. Dunkle Vorahnung, Kühltruhe, Kühlschrank, alles ohne Strom.

Ich muss also dringend zurück. Am Mittwoch um 8 Uhr mit Bus und Bahn zurück nach Hause. Um 10 war ich in der Wohnung. Der FI hat ausgelöst. Allerdings habe ich vor Jahren bereits die Steckdosen für Kühlschrank und Gefrierschrank aus dem relevanten Sicherheitskreis des FI rausgenommen. Bautechnisch möglicherweise nicht ganz okay, aber die Kühlung ist nicht ausgefallen. Jedenfalls war ich gegen 15.00 Uhr wieder zurück beim Boot.

Mein Maat war erleichtert und hat mir heute ein Firstclass-Frühstück zubereitet.
Am späten Nachmittag ging es weiter. Zumindest bis zum Abzweig MLK bei Bergeshövede wollten wir noch kommen. 10 km, 2 Schleusen. Unter 3 Std. kaum zu schaffen. Ziel erreicht, liegen für die Nacht am "nassen Dreieck".


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Datum km/
h
Ort Entf.
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14.07.202347/
9
DEK Schleuse Münster
L: 7°39'43", B: 51°58'24" | google-maps
38.1547.0

Das Wetter scheint nach der Regennacht wieder schön zu werden. Hat sich aber kräftig abgekühlt, so das wir das Frühstück nach innen verlegt haben. Danach genau die richtige Temperatur, um den alten Modder vom Rumpf der Lady Ann abzuwaschen. Da waren tatsächlich noch die Spritzer vom Tidewasser der Ems drauf. Mein Maat hat sich noch die Fender vorgenommen und so nahm unsere frisch geschniegelte Lady Ann wieder Fahrt auf Richtung Münster. 38 km, Top ausgebauter Kanal, eine ca. 2 km lange Großbaustelle mit Begegnungsverbot, ansonsten entspannter Schiffsverkehr. Wir hatten es auch nicht besonders eilig, also drehte die Maschine spritsparende 1600 Touren, bei einer ordentlichen Marschgeschwindigkeit von knapp 9 km/h. Kurz vor Münster noch einen kleinen Abstecher in den Yachthafen bei Fuestrup. Ein alter Kumpel hat dort seinen Heimathafen. Tatsächlich lag die Obelix am Steg und kurz darauf tauchte auch Jürgen auf. Eigentlich treffen wir uns häufig aber zufällig immer wieder Mal irgendwo im Revier. Hätte dieses Jahr auch fast geklappt. Auf Grund der Schleusenrevision in Altenrheine hatten sie bereits einen Tag vorher die Schleuse passiert.

Eine Übernachtung in Fuestrup haben wir aber dankend abgelehnt. 16€ Liegegeld excl. Nebenkosten sind uns zu teuer. Einen wichtigen Tip gab uns Jürgen aber noch auf den Weg. Auf keinen Fall im Kreativhafen in Münster übernachten. Längs der Kade gibt's mittlerweile 28 Kneipen und am Weekend bei dem Wetter tanzt dort Nachts der Bär. Vergleichbar mit Ballermann, Randale und Übergriffe inbegriffen.

Wir liegen jetzt Hinter der Schleuse Münster im ehemaligen und renaturierte Vorhafen der stillgelegten Schleusenkammer Ost sehr gut, mit Blick auf eine Anzahl freizügig gekleideter Badenixen.

Das Leben kann sooo schön sein!

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Datum km/
h
Ort Entf.
km
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15.07.202351/
10
Münster Kreativkai
L: 7°38'24", B: 51°57'06" | google-maps
4.11.30

Jetzt haben wir es doch getan. Etwa 4 km hinter der Schleuse Münster zweigt der alte Hafen ab. Nur mal reinschauen, sollte wohl drin sein?

Eigentlich macht alles einen aufgeräumten und seriösen Eindruck. Seit unserem letzten Besuch, ich glaube 2019, war die Nordseite fast komplett saniert. Statt baufällige Lagerhäuser neue Betonblöcke mit viel Glas. Erdgeschoss fast ausschließlich edle Gastronomie, aufgelockert mit modernen Büros. Die drei Etagen darüber edle Eigentumswohnungen. Ganz oben dann Penthäuser mit Rundumsicht. (Hafenviertel Münster)
Auf der Südseite sind die Lagerhallen bereits abgerissen, aber nur im hinteren Hafenteil neu bebaut. U.a. ist dort das Wolfgang Borchert Theater untergebracht. Statt Mainstream soll auf dieser Brache aber doch eher ein Gewerbegebiet entstehen.

Jedenfalls liegen im Rücken des Theaters bereits einige Sportboote, scheint also nicht so brisant zu werden, wie Jürgen angemahnt hat. Darum anlegen, Landfein machen und mit dem Rad zur Münsteraner Innenstadt. Gegen 19 Uhr waren wir zurück und trauten unseren Augen nicht. Mittlerweile haben sich in Grüppchen ca. 30 bis 40 junge Leute längs des Kai`s eingefunden. Bestückt mit Getränketaschen und div. Alkoholikas. Bis gegen Abend waren es geschätzt 200. Sollte Jürgen aus Fuestrup doch Recht behalten? Ballermann in Münster?
Na okay, es lagen dort 7 Sportboote und auf der anderen Seite machten die Jungens und Mädels keinen besorgniserregenden Eindruck. "Die wollen doch nur spielen", beruhigte ich meine Frau. In der Tat rückten sie uns Recht dicht auf die Pelle, aber sonst, "keine besonderen Vorkommnisse".

Um 23 Uhr gab es noch ein spektakuläres Höhefeuerwerk über dem Wasser und ab 2 Uhr löste sich die Feierrunde allmählich auf.

Fazit: Es wird nie so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

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Datum km/
h
Ort Entf.
km
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16.07.202364/
12
DEK LS bei Km 55
L: 7°34'35", B: 51°52'27" | google-maps
12.32.50

Etwas länger geschlafen, dafür gab es zum Frühstück Rührei. Gestern waren wir zum Abschluss des Stadtbummels in "Maria's Pastabar". Ein von aussen etwas unscheinbarer Laden, dafür aber mit unfreundlichem Personal. Wen wunderts, das Essen hat sich den Begebenheiten angepasst. Dagegen war das morgendliche Rührei von Renate wie aus der Sterneküche.

Ablegen um 12, mal sehen, wie weit wir kommen. Zirka 5 km hinter Münster verläuft die neue Ausbaustrecke in einem weiten Bogen um die alte Fahrt. Eigentlich ein Umweg und ich weiß nicht, wieso das so geplant wurde. Kleinfahrzeug nehmen darum meist die alte Fahrt. Glasklares Wasser und die Wasserpflanzen wachsen teilweise bis an die Oberfläche. Auf halben Weg ein schöner Anleger und da wir beide ein Bad nötig hatten, wollten wir hier bleiben. Beim Legen der Festmacheleinen wurde uns bewusst, welch kalter Wind inzwischen aufgekommen ist. Hatte man hinter den hohen Scheiben am Steuerstand nicht bemerkt. Damit war unser Badetraum auch gleich wieder geplatzt und weiter geht es.

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Datum km/
h
Ort Entf.
km
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17.07.202399/
17
DEK/WDK Liegestelle Datteln
L: 7°21'25", B: 51°39'39" | google-maps
35.24.10

Heute wollen wir Mal wieder Strecke machen. Trotzdem war erst Mal der gestern ausgefallene Badetag nachzuholen. Das Wasser ist hier ausgesprochen sauber (jedenfalls vor unserem Waschgang 🤔😚😁). Bei der Gelegenheit würde auch der Wildwuchs in meinem Bart kultiviert. Jedenfalls war es doch schon 13.00 Uhr, bis der Motor seine Arbeit aufnahm. Der Kanal ist hier bestens ausgebaut, Recht breit und trotzdem mit wenig Schifffahrt. Schleusen gibt es im Abschnitt bis Datteln nicht, wohl eine Anzahl an Sicherheits-Sperrtoren.
Für mich hat der Kanal jedenfalls ein besonderes Flair. Schließlich war die Region in meiner Jugendzeit der anglerische Hotspot schlechthin. Auch der Ausbau der Strecke und die Abdeichung der vielen "Alten Fahrten" tut dem keinen Abbruch. Am großen Schifffahrts Knotenpunkt in Datteln war unser Lieblingsliegeplatz Mal wieder frei. Praktisch ein Logenplatz zum bestaunen der 200 m langen Koppelverbände, die im 30 Minutentakt die Schifffahrtskreuzung passieren.

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Datum km/
h
Ort Entf.
km
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18.07.2023134/
22
WDK Marina Dorsten
L: 6°57'41", B: 51°39'46" | google-maps
34.85.670.0

Nachtrag zu Gestern. Die Tanknadel hatte die 25% Marke erreicht. Bevor wir in den nächsten Tagen den Rhein erreichen, wäre eine Auffrischung der Bestände empfehlenswert. Meine Tank App zeigt mir eine Tanke in 900 m an, bei akzeptablen 1,58 €. Also die drei 25 l Kanister in den Bollerwagen und zu Fuß zur Esso Station. Dass die Entfernung Luftlinie bedeutet, wußte ich bisher noch nicht. Um nicht über Gartenzäune klettern zu müssen, erhöhte sich der Weg auf fast 3 km. Punkt 21 Uhr waren wir da und der Tankwart drehte an seinem Kabuff gerade den Schlüssel um. Feierabend - zureden nutzlos. Die nächste Tanke, 2 km weiter. Alles in allem war das ein Spaziergang von knapp 7 km. Aber, die Tanknadel ist wieder am Anschlag und sind wir ganz ehrlich, "Jeder Gang macht schlank!" Dazu 35 € gegenüber der Bunkerstation nebenan gespart.

Zur Fahrtstrecke, bei der Schleuse Datteln verlassen wir die Wasserscheide des DEK. Es geht spürbar zu Tal.
Schleuse Datteln, Fallhöhe 7,5m, keine Wartezeit
Schleuse Ahsen, Fallhöhe 7,5m, keine
Schleuse Flaesheim, FH 4m, keine Wartezeit
Schleuse Dorsten, FH 9m, 1 Std. Wartezeit.

Als Übernachtungsplatz haben wird wegen der Stadtnähe die Marina Dorsten gewählt.

19.07.2023
Zwei Übernachtungen sind eingeplant. Morgens Frühstück mit meinem Bruder (bringt Brötchen und Mett mit). Nachmittags meinen schwerkranken Freund besuchen, der ca.4 km von der Marina wohnt, und sonst Kleinigkeiten einkaufen. Frühstück war schon mal top. Der Krankenbesuch musste auf Wunsch meines Freundes leider ausfallen, ja und mit dem Einkaufen ist es doch ein wenig mehr geworden. Ein Mix an Bier, Radler und Malz zu ordern, macht Sinn, denn die Versorgung in den Niederlanden wird einfach schwieriger.
Abends zeigte die Tank App noch Mal 1,54 € an. Macht vielleicht Sinn, die beiden Reservekanister auch noch zu füllen. Mit dem Fahrrad war der Transport der 50 l Diesel auch Recht schmerzfrei.

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Datum km/
h
Ort Entf.
km
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20.07.2023148/
24
WDK LS Schleuse Hünxe
L: 6°45'23", B: 51°38'45" | google-maps
14.31.80

Der Tag verspricht schön zu werden. Schnell noch einen Sprung in den Kanal, Frühstück mit Sekt und gegen Mittag sollte es weitergehen. Minimalproblem, den Hafenmeister habe ich gestern nicht gesehen und heute auch nicht. Lediglich bei der Ankunft war er kurz da (aber auch nur, nachdem ich ihn angerufen hatte), um mir den Schlüssel für das Tor auszuhändigen. Mir soll's Recht sein. Den Torschlüssel habe ich in den Briefkasten beim Sanitärgebäude geworfen. Hafengeld, kein Hafenmeister, keine Abrechnung, also auch kein Hafengeld.
Im Grunde kannte ich das schon vom letzten Aufenthalt in der Marina Dorsten. Da haben wir 5 Tage gelegen ohne Personal gesehen zu haben.

Die Fahrt ging dann über Kleinespeln, Schulte im Anker, Galen, Gartrop (alles Orte meiner Jugendzeit) bis zur Schleuse Hünxe. Sehr freundliché Schleusenmeister, kurze Wartezeit und via kleiner Kammer ging es die 5 m runter. Im Unterwasser gibt es am Ende des Vorhafen einen langen aber völlig verwaisten Passantensteiger. Ob wir noch die 10 km bis Friedrichsfeld fahren oder noch 10 km weiter über den Rhein bis zum Baggersee bei Wesel-Flüren oder hier bleiben, ist ziemlich egal. Hier wissen wir, was wir haben.

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Datum km/
h
Ort Entf.
km
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21.07.2023187/
29
Baggersee Reeser Schanz (RK 838)
L: 6°23'48", B: 51°45'46" | google-maps
39.45.20

Froh gelaunt sind Menschen und Maschine. Mit dazu trägt das wieder schöne Wetter bei. Um 10 Uhr sind wir startklar. Bis zur letzten Kanalschleuse in Friedrichsfeld sind es gut 10 km.
Meine Anmeldung zur Schleusung verhieß erstmal nichts gutes. O-Ton Schleusenmeister: "Legt euch Mal zu dem anderen Sportboot an den Wartesteiger, ich melde mich später."
Doof, die kleine 180m Kammer ist defekt und vor der großen 210m Kammer warteten bereits zwei 95m TMS und ein 200m Schubverband. Dazu werden sicherlich weitere Schiffe von Achtern auflaufen. Das kann Stunden dauern.
Über Funk dann Entwarnung. Das TMS auf Position 2 verzichtet auf seinen Platz zu Gunsten der Sportboote. Sehr nobel und hartelijke bedank (war ein Niederländer).

Trotzdem hat diese 10m Abstieg, runter auf Rheinpegel ca. 90 min. gedauert. Dafür empfing uns der Rhein mit 4km Strömung von Achtern. Zeit gutmachen? Denkste! Das Wetter verändert sich. Starker Regen, Böen und Gewitter zeigt das Wetterradar an. Kurz vor Rees dann die ersten Tropfen. Dazu eine schwarze Wolkenwand vor uns. Direkt hinter Rees, noch vor der Autobahnbrücke liegt an Backbord die Einfahrt zu einem kleineren ehemaligen Baggersee. Hier haben wir hinter einer Gruppe festliegender Arbeitsschiffe eine wind- und wettergeschützten Platz gefunden.

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Datum km/
h
Ort Entf.
km
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22.07.2023279/
38
Eiland van Maurik WV Maurik
L: 5°25'28", B: 51°58'13" | google-maps
91.290

Für heute, es ist ja bereits Samstag, haben wir uns einiges vorgenommen. Schließlich wollen wir noch an diesem Wochenende unseren alten Heimathafen des WV Maurik erreichen. Und wenn wir noch einige unserer Freunde treffen wollen, müssen wir noch heute ankommen. Unserem Plan stehen allerdings gut 90 km entgegen, davon allerdings 75 km Rhein zu Tal.
Entsprechend ging es um 9 Uhr los. Das Wetter, etwas windig und wechselnd bewölkt. Für Nachmittags sind kräftige Schauer angesagt. Aber da müssen wir jetzt durch.
Die Strömung brachte uns auf ca. 14 km/h. In Höhe von Emmerich begegnete uns TMS Charisma, die von Rotterdam leer nach Gelsenkirchen unterwegs war. Spätestens ab Nijmegen zogen bedrohlich schwarze Wolken auf. Aber wir sollten Glück haben. Vor und hinter uns regnete es offensichtlich, doch der Herrgott hielt schützend seine Hand über unsere Lady Ann. Aber schließlich hatten wir zum Urlaubsanfang bereits unser Fett abbekommen und es blieb trocken. Die Fahrt selbst war wegen des Windes und dem Wahnsinnsschiffsverkehr sehr ruppig und wir wären froh, endlich den Amsterdam Rijn Kanal erreicht zu haben. Hier geht es gewohnt ruhig zu und mein Maat konnte ihren ramponierten Magen etwas auskurieren.

Gegen 17 Uhr liefen wir mit etwas gemischten Gefühlen in den Hafen von Maurik ein. Kennen wir nach 13 Jahren dort noch jemand? Und vor allem, kennt uns hier noch jemand? Auf dem Weg vom Meldesteiger zur Kantine war jede Skepsis beseitigt. Hallo Harry, hallo Renate! So, als wären wir nie weg gewesen. Nach dem Vertäuen Biertje raus und pratet, praten, praten. Fast vergessene Erinnerungen lebten wieder auf. Leider stellte sich heraus, das auch einige der älteren Freunde mittlerweile von den Wolken auf uns herabblicken. Aber das ist halt das Leben. An Bord von Rene und Ria haben wir den Abend ausklingen lassen.
Um Mitternacht waren wir in unserer Koje.

23.07.2023
Unser Plan, nach einem Tag Aufenthalt den Hafen wieder zu verlassen, ist spätestens bei unserem morgendlichen Duschgang gescheitert. Auf dem Weg dorthin haben wir noch den einen oder anderen der alten Hafenfreunde getroffen. "Goode Morgen Harry en Renate, we gaat et julie? Van dag mogen we op de kantine kunnen. Het zijn veel to praten."
Und so saßen wir gegen 15 Uhr mit einem Tisch voll Niederländer in dem schmucken Vereinsheim, wo wir vor einem Jahrzehnt so einige Schlachten geschlagen, bzw. die deutsch-niederländische Freundschaft verbessert haben. Heute war es aber dezent und endete um 18 Uhr. Gegen Abend hätte sich dann noch Bert und Monique auf ein lekker Heineken angesagt. Nur kurz, wie er andeutete, was Mal wieder Mitternacht bedeutete.

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Datum km/
h
Ort Entf.
km
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24.07.2023280/
38
Eiland van Maurik (Strand)
L: 5°28'16", B: 52°00'58" | google-maps
10.20

Gegen Mittag den Hafen verlassen, der an einem Montag genau so verwaist ist, wie die allermeisten anderen Häfen auch. Okay, hier gibt es 3 oder 4 Skipper, die auf ihren Schiffen wohnen.
Wir mussten nur um die Hook (um die Ecke), wie es nederländisch heißt. Wir suchten uns einen Strand mit Bäumen am Ufer auf einer der zahlreichen Inselchen. Also gut windgeschützt bei dem kräftigen Wind. Man fährt hier mit dem Bug auf den sandigen Boden auf und spannt das Boot mit drei Leinen an Erdhaken ab oder wie wir jetzt an den freigespülten Baumwurzeln. Dazu kommt ein Heckanker, um das Abdriften des Hecks bei Seitenwind zu verhindern. An Backbord haben wir noch einen Nachbarn, das 26m Schiff "DR. IR. Johann Van Veen". Ein ehemaliges Behördenschiff des Rijkswaterstaat, welches von André und Evelin, ebenfalls alte Vereinskollegen aus Maurik gekauft wurde und auf dem die beiden nun fest wohnen. Sie liegen hier am Strand fest und müssen lediglich alle 6 Wochen zum Bunkerschiff um 2000l Frischwasser zu bunkern.

Das Seengebiet ist ein Eldorado für die Tiere, in und auf dem Wasser. Nicht weit von uns ein Biberbau, Eisvögel besuchen uns täglich und auch sonst tummelt sich hier alles mögliche Wassergetier. Auch für den passionierten Angler ein Hotspot. Kein Zufall, dass mir am ersten Tag gleich 4 Flußbarsch von 50cm an den Haken gegangen sind. Danach habe ich das Fischen eingestellt. Der Fang muss erst Aufgegessen werden, wobei André mir schon einen der 3kg Monster abgenommen hat.

25.07.2023 Wir waren heute mit der Rad im 5km entfernten Eck en Wiel zum Einkaufen. Brot, Kartoffeln, Eier, etwas Gemüse. Nebenbei ist diese Region (Beetuweland) das landesweit größte Obstanbaugebiet. Da haben wir direkt beim Erzeuger einen Kilo Süsskirschen erstanden. Nicht ganz billig, aber was die Qualität angeht unschlagbar. Über den jährlichen Fruitcorso in Tiel habe ich mal eine Fotocollage erstellt. ( klick hier )

26.07.2023
Heute ist ein Tag zum Vergessen. Nachts begann es zu regnen und hörte auch Tags nicht auf. Gut dass wir gestern unsere Einkäufe erledigt haben. Nachts auf meinem letzten KöFi noch einen Mega Zander gefangen, irgendwo in der 10 Pfund Kategorie. Ich weiß nicht, ob ich darüber erfreut sein kann, denn unsere Kühlkapazitäten sind am Ende. André und Evelin haben auch dankend abgelehnt. Ein bis zwei Tage lässt er sich noch lebend hältern, dann brauchen wir eine gute Idee.

(2570 Zeichen)
Datum km/
h
Ort Entf.
km
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27.07.2023285/
39
Uitwarden Nederrijn bei Wijk bij Duurstede
L: 5°22'48", B: 51°58'24" | google-maps
510

Gegen Mittag klärt sich der Himmel etwas auf. Der starke Wind hat offensichtlich den Regen vertrieben. Uns zieht es weiter. Irgendwo muss ja auch mal ein Aal zu packen sein. Ein Altarm des Nederrijn war früher mal ein Hotspot von mir. Sind nur ein paar Kilometer. Dazu ein schöner und windgeschützter Anleger. Nachts 2 Ruten mit Wurm ausgelegt und eine mit einem kleinen Köderfisch.
Ergebnis: Ein Zander auf KöFi, sonst njente. Der Zander bekam sein Leben zurück.
Sonst keine besondere Vorkommnisse.

(527 Zeichen)
Datum km/
h
Ort Entf.
km
Stun
den
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28.07.2023312/
43
Utrecht Catharijensingel
L: 5°07'13", B: 52°05'00" | google-maps
27.6472

Morgens um 7 ein Blick aus dem Kojenfenster. Diesig und ungemütlich. Ich lege mich wieder hin. Einschlafen mir dem Gedanken, den Törn hier abzubrechen und auf kürzesten Weg den Heimathafen Emden anzulaufen, zumal die 7 Tage Wettervorhersage nichts gutes verspricht. Um 9 Uhr werden wir von der Sonne geweckt, die auf der Nase kitzelt. Kann man mal sehen, was eine kleine Drohung so ausmacht. Frühstück draußen, danach ein reinigendes Bad im Fluß. Mein Maat ist dafür, dass wir die Reiseroute etwas einkürzen, aber nicht abbrechen. Bedeutet, Utrecht und Vecht ja, aber den Schlenker durch Nordholland mit Alkmaar, Medemblik lassen wir bleiben. Die Route ist schnell korrigiert. Utrecht, Maarsen, Weesp, Muiden, dann Almere und binnenseitig durchs Flevoland. Am Ende steht Kampen/Ijssel.

Die Fahrt bis Utrecht ohne bes. Vorkommnisse.
Schöner Liegeplatz zum Wucherpreis. Einfacher Steg für 22,25 €. Die Nacht. Der vorzüglich zubereitete Zander hat das Manko wieder ausgeglichen. Gleich starten wir noch ins Nachtleben. Das Portemonnaie wird weitestgehend zu bleiben.

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Datum km/
h
Ort Entf.
km
Stun
den
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29.07.2023321/
47
Vecht LS 500 m vor Oud Zuilen
L: 5°04'23", B: 52°07'25" | google-maps
8.440


Nach spätem Frühstück, der gestrige Nachtbummel hat doch ganz schön geschlaucht, geht's noch Mal in die City. Statt mit dem Fahrrad, mit Regenschirm. Ich sag Mal, warmer Regen. Angesagt war der Wochenmarkt Vredenburg, direkt beim Haupteingang zur Cartharijen Mall. Lecker Käse zum verträglichen Preis erstanden. Auf dem Rückweg noch ein frisches Brot und andere Kleinigkeiten besorgt.
Ab Mittag war die Sonne wieder da, das passende Wetter für die Fahrt durch die "Oude Gracht", die komplett durch die Innenstadt und Partymeile führt. Der einzige Weg zur Vecht für Schiffe bis 3 m Höhe. Um in dem sehr engen Fahrwasser mit seinen zahlreichen Rundbogenbrücken und den sehr vielen Rundfahrt-, Party-, Touristenbooten dazu jede Menge Padler, Stand Up's und Tretboote überhaupt bestehen zu können, sollte man sein Boot schon sehr gut kennen und navigieren können. Trotzdem ist die Fahrt durch die Keller von Utrecht, wie ich immer zu sagen pflege, ein Erlebnis. Das Wasserspiegel ist in der Tat mindestens eine Etage niedriger als die Straßen, wobei sich zu beiden Uferseiten die Aussengastronomien unzähliger Restaurants und Cafes reihen. Bei dem wieder sonnigen Wetter und zu spätem Nachmittagzeit ist da jeder Platz besetzt.

Für die gut 2 km Passage muss man etwa eine Stunde einplanen. Langweilig wird es da nicht.

Hinter der letzten Brücke kommt die Vecht Sluis. Ca. 1 m geht's hier abwärts, dauert aber mehr als 20 Min. Dafür werden stolze 5,75 € Schleusengeld fällig. Kassiert wir nur noch bargeldllos per VISA-Card.

(1597 Zeichen)
Datum km/
h
Ort Entf.
km
Stun
den
Treib
stoff
30.07.2023351/
52
Vecht LS 3 km vor Weesp
L: 5°04'50", B: 52°17'49" | google-maps
30.14.40

Kurz vor Mittag sind wir startklar. Das Wetter ist wechselnd bewölkt aber trocken. Allerdings weht ein kräftiger Wind. Im relativ engen Oberlauf der Vecht und den vielen Klappbrücken eine echte Herausforderung. Die max. Höchstgeschwindigkeit ist auf freier Strecke auf 9 km/h begrenzt, in Wohngebieten auf 6 km/h und bei Wohnschiffen 4,5 km/h. Davon gibt es auf der Vecht hunderte. Die Ortschaften Maarssen, Breukelen, Loenen aan de Vecht, Vreeland und Nigtevecht sind von der Wasserseite allesamt fein anzusehen. Die freien Strecke dazwischen ist eingesäumt von Schlössern und prunkvollen Herrenhäusern. Indiz dafür, dass die Niederländer als führende Kolonialmacht mal Kohle ohne Ende verdient haben. Sehr auffällig auch das prächtige Blumenmeer, überwiegend Hortensien, vor den Häusern.
In einer langen Flussschleife kurz vor Weesp haben wir ein windgeschützten Liegeplatz für die Nacht gefunden.

31.07.2023
Den ganzen Tag Regen, dazu kräftiger Wind. Da jagd man keinen Hund vor die Tür. Für uns ist ein "Unter-Deck-Tag" angesagt. Lang schlafen, ausgiebiges Frühstück, etwas Karten spielen, lesen, rätseln. Ein Tag lässt sich so überbrücken. Unser Plan, morgen früh zeitig die 2 km nach Weesp. Dort ist Dienstags Markt. Danach Duschen und Nachmittags durch die Zeesluis Muiden via Ijmeer und Gooimeer nach Almere-Haven.

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Datum km/
h
Ort Entf.
km
Stun
den
Treib
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01.08.2023373/
55
Vecht LS 1km vor Muiden
L: 5°03'41", B: 52°19'05" | google-maps
22.23.542

Pläne sind so lange gut, wie sie nicht durch äußere Einflüsse durchkreuzt werden. Weesp war schnell erreicht. Die erste Brücke vor der Stadt, doppelrot, Wartesteiger voll belegt. Per Handy den Hafendienst angerufen, die Brücke hat eine techn, Störung, Reparaturzeit min. Bis zum späten Nachmittag, vielleicht länger. Alternative, Brücke umfahren. Also 10 km bis Nigtevecht zurück, dort auf den A'dam Rijn Kanal, 4 km bis Weesp und praktisch von hinten, durch das Ortszentrum wieder zur Vecht. Den Marktbesuch können wir zwar knicken, dafür aber etwas Proviant besorgen und vor allem 75 l Diesel besorgen (1,70€/l). Vor der Weiterfahrt in einer Fritture noch zwei total überteuerte Patat mit Cheeseburger und Blikje Heineken genossen (25,50€). Da bleibt kein Geld mehr übrig für Liegegeld im Passantenhafen. Kurz vor Ende der Brückenbedinung sind wir also raus aus Weesp und liegen Mal wieder in der freien Natur.

(938 Zeichen)
Datum km/
h
Ort Entf.
km
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02.08.2023394/
59
Lange Vaart LS bei Almere-Buiten
L: 5°15'31", B: 52°23'13" | google-maps
2140

Heute soll es raus gehen aufs offene Wasser. Markermeer und Gooimeer sind bei schlechtem Wind nicht ohne. Darum habe ich mir bei der Routen Ausarbeitung auch besondere Mühe gemacht. Aber irgendwie spielte meine Navigationsapp verrückte. Sie war partou nicht bereit, die Route von Almere-Haven durchs Flevoland zu akzeptieren. Und siehe da, die Brücken hinter Almere sind lediglich 2,6 m hoch. Mit gelegten Geräteträger haben wir 3 m. Bedeutet, Scheiben abbauen, was ich äußerst ungerne mache. Als Alternative wäre die Fahrt bis zur Nordwestspitze Flevolands (Almere-Pampus) und dann etwa 10 km entlang der Küste des Markermeer bis zur Zuidersluis.

Beim Verlassen der Zeesluis in Muiden war die See noch ruhig bei mäßigen Wind. Das sollte aber weiter draußen schnell anders werden. Wellen, knapp einen Meter und dann schräg von hinten. Wir waren froh, endlich das Nordwest-Kap erreicht zu haben. Der Küstenstreifen versprach bis zu unserer angepeilten Schleuse etwas Schutz. Theorie, denn der Wind blies nnun noch kräftiger, aber immerhin gerade von Achtern. Ebenso die starke Dünung. Da müssen wir jetzt durch. Die 10 km wollten nicht enden. Die Erleichterung war groß, als wir endlich die Schutzmole der Schleuse erreicht hatten.

Zwei Schleusen weiter waren wir 7 m unterhalb des Meeresspiegel. Ruhiges Wasser und etwas später ein ruhiger Liegeplatz.
Ich hoffe, heute Abend ein wenig Muße für's Angeln zu finden.

(1477 Zeichen)
Datum km/
h
Ort Entf.
km
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03.08.2023435/
65
Lage Vaart *LS Dronten
L: 5°41'54", B: 52°31'30" | google-maps
415.50

Nach der gestrigen rauen Fahrt auf dem Markermeer haben wir beide erstaunlich gut geschlafen. Am Frühstückstisch haben mein Maat und ich noch einmal die zurückliegende Fahrt gesprochen.
Ungemütlich - sicherlich!
Gefährlich - sicher nicht!
Natürlich bleibt das Risiko eines techn. Schadens. Ruder- oder Antriebsausfall sprich “manöverierunfähig" wäre schon fatal, ist aber vergleichbar mit Bremsversagen beim Auto. Als Vielfahrer ist unser Tank sauber, Kraftstofffvor- und Feinfilter wird regelmäßig gewartet. Damit ist ein großer Unsicherheitsfaktor ausgeschlossen.

Jetzt sind wir jedenfalls in ruhigen Gewässern. Allerdings auch ziemlich eintönig und kaum befahren. Nach wie vor bläst ein kräftiger Wind. Auf den gut 50 km gibt es neben festen Brücken mit ausreichender Durchfahrtshöhe nur in Dronten eine Hubbrücke für Boote > 2,60 m. Die ist aber praktisch selbstbedienend. Man durchfährt eine Lichtschranke und öffnet per Druckknopf, der praktischerweise so hoch angebracht ist, dass Kinder und Spaßvögel mit kleinen Booten bzw. Schlauchbooten erst gar nicht drankommen.

Als Liegeplatz haben wir in Dronten auf den eigentlichen Passantenhafen verzichtet, weil die windgeschützte Liegestelle ca. 500 m vor der Klappbrücke sehr gepflegt aussieht und dazu auch noch kostenlos ist.

(1367 Zeichen)
Datum km/
h
Ort Entf.
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04.08.2023456/
69
Ganzendiep *LS km 3
L: 5°54'58", B: 52°35'18" | google-maps
21.63.80

Die Wahl der Liegestelle in Dronten war eine sehr gute Idee. Dank der Ruhe haben wir sehr gut geschlafen, morgens fit wie ein Turnschuh. Beim Discounter nebenan schnell die Zutaten für ein außergewöhnliches Frühstück besorgt. Frisches Baguette, ein paar Scheiben Beeneham (Kochschinken), ein Stück Graskaas, einen Beutel Ruccola, ein paar Shrimps in Knoblauchsauce und eine Flasche frisch im Laden gepressten O-Saft.

Gut gestärkt geht's weiter. Kampersluis, Ketelsluis und dann ins offenen Wasser.
Der Wind bläst hier kräftig von Nord und trägt die Dünung vom IJsselmeer ins Ketelmeer. Urk anzulaufen wäre daher Blödsinn. Darum nehmen wir die Südrichtung, die uns bei ruhiger Fahrt nach Kampen bringt. In den letzten Jahren wurden im Delta der Ijssel mit Riesenaufwand künstliche Inseln aufgespült. Die eigentliche Fahrrinne verläuft entsprechend wie ein breiter Kanal.

In Kampen angekommen machen wir gleich hinter der Hubbrücke beim Stadtzentrum an der Kaimauer fest. Eine Stunde Landgang und danach wollen wir noch in das geschützte Ganzendiep. Die Schleuse davor wird bis 19.00 Uhr bedient.

(1158 Zeichen)
Datum km/
h
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km
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05.08.2023479/
72
Volenhovekanaal *LS zwischen Volenhove und Blokzijl
L: 5°57'07", B: 52°42'29" | google-maps
22.13.90

Der Tag beginnt mit Sonnenschein. Gegen Mittag geht es vom Ganzediep in Richtung Zwarte Meer. Rechts geht es nach Genemuiden und Zwartsluis, eigentlich der kürzere Weg. Wir entscheiden uns für links nach Vollenhoven und Blokzijl.

Soweit sind wir heute allerdings nicht gekommen. Unser Zwischenstopp in Vollenhove zwecks Einkaufsbummel endete in Regen und Gewitter und dauerte somit länger als geplant. Dazu endete unser Plan, das Bilgewasser im Hafen loszuwerden, nicht wie gewünscht. Auch mit Unterstützung des Hafenmeisters war die Saugpumpe nicht zu überreden, ihren Dienst ordentlich zu verrichten. Morgen werden wir in Blokzijl einen neuen Versuch starten, das ölhaltige Wasser loszuwerden. Auch wenn der Hafenmeisters sich ausgesprochen hilfreich bemüht hat, lehnen wir sein Angebot für eine Übernachtung (15 €) in Vollenhove dankend ab. Hilft uns nicht weiter.

(901 Zeichen)
Datum km/
h
Ort Entf.
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06.08.2023483/
74
Noorderdiep *LS ca. 1 km hinter Blokzijl
L: 5°58'35", B: 52°44'02" | google-maps
41.30

Bis Blokzijl sind es von unserer Liegestelle gerade mal 2 km.

Meine Skippergeschichte ist stark mit Blokzijl verbunden. In den 90er waren wir fast wöchentlich dort. Der Hafen, mitten im Dorf gelegen, eine Augenweide dazu eine interessante Geschichte. Die Örtchen war im 70jährige Krieg (17.Jahrh.) gegen Spanien Festungsstadt später ein lebhafter Handelshafen an der Zuiderzee und im späteren Verlauf auch Hansestadt. ( Klick hier ) Heute hat der Wassertourismus Einzug gehalten. Täglich passieren hunderte Freizeitschiffe die Blokzijl-Schleuse, die strategisch gut, mitten im Ortskern liegt und in den Hafen einmündet.

Vom Süden kommend passiert man das Stadtor und gelangt in das runde Hafenbecken, ganz auf den modernen Wassertourismus aufgepeppt. Kam früher der Hafenmeister am frühen Abend vorbei, kleine, manchmal auch längerer Smaltalk und das Liegegeld zu kassieren. Heute geschieht alles am Automaten per Pin-Card. Nicht mal Alexa, heitert einem auf. Selbst zum Frischwasser bunkern hilft harte Währung nichts mehr. Aufladbare Plastikkarte am Automaten ziehen und den Obolus dann für Serviceleistungen verwenden. Dumm nur, min. Betrag = 5 Euro, 100 l Trinkwasser = 50 ct. Das Restguthaben dient praktisch als Spareinlage für einen späteren Besuch. Alternative, Verkauf bei eBay. 🤔🙄 Also ehrlich gesagt, ich komme in dieser Welt nicht mehr so recht klar.

Wir haben jedenfalls erstmal am Steg festgemacht, die Lage erkundet, einen Kaffee mit Appelflap 🍵🥧 genossen. Danach ging es durch die Schleuse ins Noorderdiep. Wir waren alleine in der Schleuse. Ein Umstand, den ich hier noch nie erlebt habe. Normal ist es hier immer proppenvoll. Da ca. 70% auf Charterboote fallen, kann es kaum am schlechten Wetter liegen. Möglicherweise fahren die Leute nicht mehr so viel, bzw. können oder wollen es sich nicht mehr leisten.

Direkt hinter der Schleuse in einem Seitenarm die Pumpstation für Bilge- und Abwasser (seit neuestem kostenlos). Auch hier zeigte sich das gleiche Problem. Pumpe läuft, zieht aber nicht. Nach einigem Suchen hatte ich den Fehler. Der Schlauchanschluss an der Pumpstation war derart ausgeleiert, das er hier Luft zog. Bei laufender Pumpe und geschlossenem Saugventil und kräftigem Wackeln am Schlauchanschluss zog das Vacuum den Anschluss dicht. Innerhalb von 3 Min. War die Bilge leer und sauber gespült. Geht doch.

Bis zum nächsten Anleger, direkt am Naturreservat "Werribben" sind es noch 1 km.

07.08.2023 Der Dienstag war zum Vergessen. Neben Dauerregen pfeift der kräftige Wind über die Rietfelder. Erst gegen Nachmittag verzieht sich zumindest der Regen. Wir planen um und bleiben noch einen Tag hier.
Ab 17.00 Uhr kommt sogar die Sonne raus.

(2953 Zeichen)
Datum km/
h
Ort Entf.
km
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08.08.2023519/
78
Hoogeveense Vaart *LS Echten
L: 6°24'32", B: 52°42'26" | google-maps
36.44.70

Der Wind frischt wärend des Frühstücks auf. Ansonsten ist das Wetter ein riesen Fragezeichen, Tendenz zum Aufklaren. Wir legen ab, haben aber am Vorabend den Entschluss gefasst, diese Region zu verlassen. Statt dessen wollen wir auf der Hoogeveense Vaart Kilometer machen. Bis Hoogeveen sind es 4 Schleusen und eine bewegl. Brücke. Zuerst aber müssen wir über die "Blauwe Hand", ein Recht großes Seengebiet. Der Wind, ca. 45° von Achtern. Bei den kräftigen Wellen, die der Wind vor sich herschiebt, kein Vergnügen. Ausweichen oder kreutzen geht hier nicht, die enge Fahrrinne ist betonnt. Die 3 bis 4 km haben wir trotzdem gut gemeistert. Nach weiteren 3 km, entlang eines windschützenden Deiches erreichen wir die Beulakersluis. Etwa 500 m davor springt die Ampel von Rot auf Doppelrot. Mittagspause.

Als sich nach einer Std. Das Tor öffnet schüttet es aus Kübeln. Typisch für die noch junge Woche. Die restliche Strecke, strömender Regen im ständigen Wechsel mit Sonnenschein. Wie bekommen die Holländer sowas hin? Bei der Ortschaft Echten gibt es einen Passantenanleger für etwa 20 Boote. Kostenlos mit etwas Komfort. Dusche, Landstrom, Frischwasser, alles zum fairen Preis. Feierabend für heute. Wir haben die Schnauze voll.
Witzig! Seitdem wir die Leinen festgemacht haben, scheint die Sonne.

Unser Plan für heute Abend, den Rum in steifen Grog zu verwandeln, ziehen wir aber trotzdem durch

(1460 Zeichen)
Datum km/
h
Ort Entf.
km
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09.08.2023528/
81
Verlengde Hoogeveensche Vaart - Noorderscheschut Sluis unterhalb
L: 6°32'03", B: 52°43'36" | google-maps
92.223

Morgens wagt sich die Sonne hinter dem Dunst hervor. Wo gibt's denn sowas? War es der Geist des Grogs vom letzten Abend? 😎 Der Wind scheint sich auch abgearbeitet zu haben. Auch wenn die letzen Tage meinen Optimismus kräftig angekratzt haben, wage ich den Schritt. Kurze Hose an und T-Shirt. Mein Maat bleibt skeptisch.

Große Pläne haben wir heute nicht. Bis Hoogeveen sind es 5 km, eine Schleuse und eine Hebebrücke. Die Stadt ansehen, Brot und Kartoffeln einkaufen, vielleicht ein Eis. Danach noch etwa 4 km bis zur Schleuse in "Noorderscheschut Sluis", wo ich einen netten Liegeplatz kenne.

Die Schleusung gewohnt ohne Probleme. Der Schleusenwärter macht mich auf die Mittagspause aufmerksam, die für die Brücke relevant wird. Also hinter der Schleuse für eine Stunde festmache. Die Wartezeit nutze ich, um den letzten vollen Kanister Diesel in den Tank einzufüllen. Die Stopfbuchse vom Stevenrohr nachziehen, ist ein Abwasch. Dann geht es auch schon weiter. Der angepeilte Anleger bei Hoogeveen, proppenvoll. Der Käpt'n kennt immer eine Lösung. Zwei Leinen vorne als Spring am Pfahl eines Hinweisschild, zwei Achterleinen am Erdanker. Sollte so halten. In 2 Std. waren wir zurück und natürlich hat alles gehalten.

Jetzt müssen wir uns ein wenig beeilen. Noch 45 Min. Öffnungszeit für die letzten 3 Brücken. Jetzt liege ich auf meinem Liegestuhl auf dem Oberdeck und lasse die Sonne auf meine Plautze pieken. Mein Maat bereitet den Rest des Barschfilet aus Maurik zu, dazu echte polnische Pierogen, die wir in Hoogeveen in einem Polenladen erstanden haben.

(1630 Zeichen)
Datum km/
h
Ort Entf.
km
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10.08.2023550/
84
Verlengte Hoogeveense Vaart *LS Nieuw Amsterdam
L: 6°51'22", B: 52°42'56" | google-maps
22.13.40

Die heutige Etappe ist nicht geeignet für Hektiker und Raser. Zum einen ist die max. Fahrgeschwindigkeit auf 6 km/h beschränkt, zum anderen ist eine höhere Reisegeschwindigkeit kaum möglich. Alle paar Kilometer kommt eine bewegliche Brücke. Dabei werden in der Regel 2-3 Brücken von einem Brückenwärter, häufig auch -wärterin bedient.
Das bedeutet:
Brücke öffnen - nach Durchfahrt wieder schließen. Dann aufs Fiets (Fahrrad), den Kanal entlang zur nächsten Brücke.
Die Provinz Drenthe hat ihr Personal keineswegs mit E-Bikes ausgestattet. Trotzdem sind die Leute gut durchtrainiert und recht fix unterwegs. Trotzdem dauert das alles. Für den Skipper bedeutet das darum "Schleichfahrt".

Die 22 km gehen zwar meist schnurgerade aus, die Fahrt wird aber nie langweilig. Die Häuser entlang des Kanals geben immer noch den Wohlstand längst vergangener Zeiten wieder, als hier noch Torf als Brennstoff (das bruine goold) abgebaut und verkauft wurde.

Meine Gedanke fragen mich, wieso es vor 200 Jahre noch keine Klimakatastrophe gab. Schließlich hat Torf mindestens gleich hohe Emissionen wie Stein- oder Braunkohle. Auch der großflächige Abbau hat weder Flora noch Fauna nachhaltig geschadet. Ganz im Gegenteil, die Tier- und Pflanzenwelt ist in den alten Ferngebieten mehr als üppig ausgestattet.
Mein Verdacht, dass Wärmepumpenhersteller, PV-Industrie und Konsorten die wahren Kriesentreiber sind, erhält neue Nahrung.
Wie auch immer, weder Einfluß noch Kompetenz reicht bei mir aus, um was zu ändern.

Wir haben jedenfalls unser Tagesziel, Nieuw Amsterdam erreicht. Liegen an dem superfeinen Gemeindeanleger, werden gleich den Grill anfachen und die letzten eingefrorenen deutschen Nacken-Steaks verputzen. Die niederländischen Stegnachbarn werden hoffentlich nicht übergriffig werden, denn Lebensmittel, insbesondere Fleisch ist hier kaum noch zu bezahlen.

(1968 Zeichen)
Datum km/
h
Ort Entf.
km
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11.08.2023562/
86
Veenvaart Anleger im Seitenarm vor der Spaarsluis
L: 6°57'23", B: 52°44'06" | google-maps
11.52.20

Morgens um 9 haben wir schon eine Bullenhitze. Dazu steht die Luft und es ist drückend schwül wie Sau. Von meiner These von gestern zur Klimaerwärmung weich ich aber trotzdem keinen Millimeter ab.
Da unser Getränke Vorrat merklich abgenommen hatte und wir nicht auf den letzten Kilometern verdursten wollen, kaufe ich noch eine Kiste "Herzog Jan". War im Angebot und für 14 Euro zu bekommen. Kurz nach 11 Uhr ziehen wir dann besagte Leine(n), wohl wissend, daß das Brückenpersonal um 12 zu Tisch geht. Groß rechnen bringt aber nichts, denn für die nächste Zeit reihen sich jede 15 Min. die Brücken und Schleusen. Irgendwo wird es uns also erwischen. Schade, dass hier das Wasser so dreckig ist. Abkühlung von außen entfällt damit in der Zwangspause.

Vor Klazienveen beginnt dann die Veenvaart, eine wasserbauliche Meisterleistung der Niederländer. Dazu aber Morgen mehr. Wir nehmen noch die alte Schleuse und fahren noch ca. 1000 m auf dem alten Bargermoorkanaal auf Emmen zu. Dann geht's über Steuerbord in das neu gebaute Verbindungsstück der Veenvaart. Weitere 200 m direkt vor der neuen Spaarsluis befindet sich an Backbord ein Seitenkanal mit schönem Liegeplatz im Grünen.
Grün lässt sich vortrefflich auch aufs Wasser ummünzen, denn ein Riesenteppich mit Wasserlinsen bedeckt das Wasser. Zig Enten picken sich hier im Schichtbetrieb rund um die Uhr einen heißen, ohne Chance dagegen anzukommen.

Vielleicht mal wieder eine Weltidee für unsere Politiker.
Vegane Zanderfilets aus Wasserlinsen. 😃

(1597 Zeichen)
Datum km/
h
Ort Entf.
km
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12.08.2023568/
88
Veenvaart Anleger am Veenpark
L: 7°01'39", B: 52°45'28" | google-maps
6.51.60

Statt ein veganes Zanderfilets habe ich heute Morgen einen schönen Hecht gefangen (war nur für die Galerie und nicht für die Pann). Ich nutzte hierzu die Zeit, als der strömende Regen etwas weniger wurde. Ja, am späten Abend ist der Luftdruck rasant in den Keller gegangen und seit Mitternacht hat der Regen unablässig aufs Dach geprasselt. Beim Frühstück meinte mein Maat, "Unser Schiff liegt schief!"
In der Tat, der Wasserstand ist in kürzester Zeit um ca. 40 cm gestiegen. Dabei war der Achternsprung offensichtlich zu kurz geraten ist auf Spannung geraten und hat den Webleinstek an der Klampe abgeklemmt. Nur mit 2 stabilen Schraubendrehern und Brachialgewalt könnte ich die Leine wieder lösen. Iss mir so auch noch nicht passiert.

Erst am Nachmittag hat sich der Regen verzogen und wir wollten weiter. Zuerst kommt die neue Spaarsluis, die uns nochmal 2 m nach oben bringt. Damit haben wir die Wasserscheide des durch eiszeitlich bedingte Sandverwerfungen entstandenen Höhenzug erreicht. Nur ca. 1,5 km weiter kommt die Doppelspaarsluis, die uns mittels zwei hintereinander geschaltete Kammern 9 m zu Tal befördert. Dieser kurze Gewässerabschnitt erfordert durch das geringe Volumen und das entsprechend kleine natürliche Einzugsgebiet eine exakte Wasserwirtschaft. Alles beim Schleusenvorgang abgelassene Wasser muss per Pumpen wieder hochgepumpt werden. Okay, heute hat der Dauerregen etwas mitgeholfen.

Hinter der Doppelschleuse gelangt man in ein Naturreservat und anschließend in den Veenpark. Ein Museumsdorf, welches die Geschichte des Torfabbaus des 17.Jhd. erzählt. Dem gegenüber befindet sich eine Anlegekade. Liegegeld per Person 10 Euro incl. Eintrittsticket für den Park. Da wir einen Besuch nicht planen, bezahle ich erstmal nichts.

(1815 Zeichen)
Datum km/
h
Ort Entf.
km
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den
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13.08.2023572/
89
Hoofdkanaal Emmer Compassum
L: 7°03'02", B: 52°48'48" | google-maps
4.410

Unser Frühstück könnten wir unbehelligt und ohne Nachzahlungen des Liegegeld genießen. Das Wetter verspricht auch schön zu werden. Sonnenschein, bei leichtem abkühlenden Wind perfekt. Trotzdem wollen wir die Gastfreiheit nicht überstrapazieren und setzen um 10 Uhr die Maschine unter Dampf.

Heute ist wieder Mal eine kleine Etappe geplant. Ter Apel, vielleicht sogar Haren/Ems, also 10 bzw. 30 km.

Gleich an der ersten Schleuse der Hoofdvaart Emmer Compascuum informiert der Schleusenwärter uns über die unplanmäßige Sperrung des Rütenbrock Haren Kanal. Brückenstörung mit unbekannter Dauer. Durch das Nadelöhr müssen wir zwingend durch.

Wir entschließen uns in Emmer Compascuum zu bleiben, in der Hoffnung, dass morgen wieder alles okay ist. Werde gleich aber mal in Haren anrufen, was da los ist.

(866 Zeichen)
Datum km/
h
Ort Entf.
km
Stun
den
Treib
stoff
14.08.2023600/
95
DEK *LS Schleuse Hilter Oberwasser
L: 7°19'26", B: 52°49'48" | google-maps
286.571

Beim Frühstück erfahren wir, daß die Brücke repariert ist. Der Haren Rütenbrockkanal ist also wieder befahrbar, für uns damit ein Riesenproblem aus der Welt.
15 Min. später sind wir startklar. Wir reihen uns hinter ein großes niederl. Plattbodenschiff mit gelegten Mast ein und ahnen noch nicht, welchen Fehler wir damit begangen haben. Normal kann man ziemlich sicher sein, daß die Crew dieser Traditionsschiffe gut eingespielt ist. Das hochbetagte Skipperpaar, mindestens 80, eher 90 Jahre alt, waren wohl noch am üben.
Fahrgeschwindigkeit auf freier Strecke, 3 bis 4 km/h. Durch die zahlreichen Brücken ging es dann millimeterweise durch. Wir waren froh, als wir endlich Ter Apel erreicht haben. Zum einen zweigt hier der Rütenbrockkanal ab, zum anderen ist am Ortseingang eine Tankstelle mit guten Preisen 1,70 € und direkt am Wasser gelegen. Hier wollten wir noch mal Tanken.

Wir haben uns Zeit gelassen, sind dann durch die letzte Schleuse in Drenthe und dann über Steuerbord über die niederl. Grenze. Dieser Verbindungskanal führt über 18 km bis nach Haren/Ems und beinhaltet 3 Schleusen und 10 Brücken, alles ausgesprochen marode, wie ich finde. Hoffentlich hält das alles bei unserer Passage.

Die 1. Brücke in Sicht ein weiteres Problem. Das Plattbodenschiff fährt auch Richtung Ems und wird uns die nächsten Kilometer weiter nerven. Meiner Hoffnungsschimmer, von den Abmeßungen passen wir beide nicht gemeinsam in die folgenden Schleusenkammern. Die 20 Min. Wartezeit, bis die Kammer wieder oben ist, wird durch die Aussicht versüsst, nicht hinter den Holländer hertuckern zu müssen.
Naja, nicht ganz, denn bei der zweiten Brücke hatten wir den ollen Kahn wieder eingeholt.

Irgendwann haben wir trotzdem Haren erreicht. Bei der Schleuse dort werden die 5 € Hebe- und Brückengeld, entrichtet. Das wir die ganze Zeit zu Tal gefahren sind, also keinesfalls gehoben wurden, machte beim Schleusenmeister keinen Unterschied. 5 Euro und keinen Cent weniger.

Die Ems empfing uns dann mit ihrer landschaftlichen Schönheit und das Bummelschiff war schnell abgehängt. Vor der Schleuse Hilter sind wir noch in den Wehrarm reingefahren, in der Hoffnung auf einen schönen Platz für die Nacht. Leider ohne Erfolg. So machten wir dann vor der Schleuse fest.

Gut geschlafen, aber von einem 400 m langen und 100 m breiten Floß geträumt, das mit der Fließgeschwindigkeit der Ems vor uns her treibt.

(2530 Zeichen)
Datum km/
h
Ort Entf.
km
Stun
den
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15.08.2023622/
99
Ems Wehr Bollingerfähr
L: 7°19'00", B: 52°58'59" | google-maps
21.43.50

Wir haben wieder heimische Gewässer erreicht. Mit der Schleuse Bollingerfähr endet eigentlich auch unserer Urlaubstörn, zumindest offiziell. Auf der Fahrt von Hilter bis hierher wurden wir von einem niederl. Traditions-Plattbodenschiff, einem sogenannten "Hoog-Arsch" begleitet. Der Name kommt von der Rumpfart. Das Heck liegt wesentlich flacher unter der Wasserlinie als der Bug. War für die Wattenfischer damals hilfreich, da bei Grundberührung Propeller und Ruder immer noch frei waren. Das Schiff ist in Franeker (niederl. Friesland) beheimatet, mit einer liebenswerten Crew. Bei jeder Wartezeit vor den 3 Schleusen gab es immer was zu praten und sie waren uns wohl auch dankbar, das wir die Rolle des Reiseführers übernommen haben. Unser bevorzugter Anleger für Kleinfahrzeuge im Oberwasser von Bollingerfähr war leider längerfristig durch einen WSA Kahn blockiert. Also mussten wir durch die Schleuse ins Unterwasser. Es versprach schnell zu gehen, denn aus der Kammer querschte sich gerade ein beladenes Berufsschiff. Etwa 200 m vor der Schleuse schloss sich das Tor. Mein Funkspruch auf Kanal 78 änderte auch nichts an der Tatsache, daß die Kammer leer zu Tal ging. Wir hatten wieder Mal einen Schleusentroll erwischt. Einer der mittlerweile aussterbenden Art, der beim Kommiss als Feldwebel sicher besser aufgehoben wäre. Zuerst behauptet er "seit ja noch so weit weg" (200 m), dann sollte ich mal was an mein Funkgerät machen, er versteht mich kaum. Für mich hat sich jede weitere Diskussion mit dem Ochsen erübrigt.

Als die Kammer wieder oben war, waren inzwischen 2 Frachter aufgelaufen, die natürlich Vorrang haben. Die nächste Schleusung war dann für uns, mit einem Frachter und 4 Sportboote pickepacke voll.
Das der Kleinfahrzeugeanleger im Unterwasser auch von 2 WSA Schiffen zugeparkt war, passt zur Lage. Hinter der Halbinsel herum, in den Wehrarm hinein gibt es eine dritte Alternative, die dann auch frei war.

Jetzt heißt es, unser Auto holen Schiff ausräumen und nach Hause. 3-4 Tage Zeit haben wir noch.

17.08.2023
Obwohl uns der Tierkalender große Probleme macht, wollen wir zurück nach Emden. Das 1. Hochwasser ist morgens um 4, das 2. entsprechend nachmittags um 4. Beides passt nicht. Die Tideschleuse in Herbrum öffnet erst um 6, für das erste ablaufende Wasser eigentlich zu spät. Nachmittags reicht die Zeit nicht nach Oldersum, wo wir dank des ablaufenden Wassers nicht mehr durch die Seeschleuse kommen.
Wir entschließen uns, noch abends bis Herbrum zu fahren und irgendwo provisorisch festzumachen. Gleich morgens um 6 mit der ersten Kammer raus um mit dem Rest der ablaufenden Tide zumindest bis Leer zu kommen. Dort warten wir bis zum nächsten Hochwasser, was zeitversetzt ca. 2 Std. Früher da ist, als in Herbrum. Ab 16.00 Uhr die letzten 30 km bis Emden.
Das ist der Plan.


(2934 Zeichen)
Datum km/
h
Ort Entf.
km
Stun
den
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stoff
18.08.2023653/
103
Leer Marina
L: 7°27'12", B: 53°13'40" | google-maps
314.60

Bis Leer verlief unser Plan ohne Probleme. Sogar der Anleger bei der Seeschleuse war frei. Wir hatten also 6 Std. Zeit. Etwas verwundert nahmen wir aber auch zur Kenntnis, dass regelmäßig Traditionsschiffe kurz festmachten und dann recht zügig die Schleuse passierte. Für Leeraner Seeschleuse mit den stark eingeschränkten Sportboot Bedienzeiten sehr merkwürdig. Der Schleusenwärter klärte mich auf. Ausnahmesituation da Traditionsschiffe-Treffen. Ein kurzer Anruf bei Annegret, der Hafenmeisterin, bescherte uns einen Topliegeplatz, direkt an der Promenade. Wir haben gleich zwei Übernachtungen bis Sonntag gebucht.


(638 Zeichen)
Datum km/
h
Ort Entf.
km
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stoff
20.08.2023687/
107
WSF Emden
L: 7°13'28", B: 53°21'16" | google-maps
34.33.50

Die beiden Tage in Leer waren wieder super. Wir haben unsere Holländer mit ihrem "Hoog-Arsch" Plattbodenschiff wieder getroffen, die als offizielle Gäste des Vereins "Schipper Klottje Leer", im Museumshafen festgemacht haben. So saßen wir am Samstag Abend gemütlich bei einem Gläschen Wein bei ihnen an Bord und saßen nebenbei auch gleich in der ersten Reihe bei dem abendlichen Festprogramm der Schipper Klotjes. Also ich mag Shanties.

Im Laufe des Sonntag mussten wir uns Gedanken machen, wie es mit unserer Heimfahrt nach Emden weitergehen soll. Nach wie vor ist die Tide nicht unser Freund, denn die Situation hat sich gegenüber von Freitag nicht geändert. Erstes Hochwasser am Sonntag um 4.30 Uhr, zweites Hochwasser um 16.30 Uhr. Die Seeschleuse öffnet frühestens um 8.00 Uhr. Das ablaufende Wasser erreicht in Emden bereits um kurz nach 10 seinen Scheitelpunkt. Es bleiben also max. 2 Std. für die knapp 30 km, wenn ich die ca. 20 Min. zurechne, die vergehen, bis die Strömung komplett umschlägt. Die Hafenmeisterin, altgediente Seglerin hielt meinen Plan für gut und organisierte am nächsten Morgen um Punkt Acht die erste Schleusung, halbe Stunde vorher ist die Hebebrücke an der alten Waage auf.

Lange Rede kurzer Sinn, wir sind rechtzeitig wach geworden, die Brücke ging auf wie versprochen und auch die Seeschleuse haben wir um 8.20 Uhr passiert. Die Tide drückte uns mit kräftiger Strömung die Leda und Ems mit bis zu 16 km/h herab. 2 km vor der Einfahrt in den Außenhafen lief das Wasser auf, was zu verschmerzen war. Nesselander- und Borßumer Schleuse waren nur noch ein Klacks und um 12.00 Uhr waren die Leinen im Heimathafen fest und am frühen Abend per DB wieder daheim.

Unser Urlaubsfazit:
Mit 72 Bordübernachtungen der längste Törn ever.
Dabei haben wir 855 km gemeistert.
Die Schleusen werde ich die Tage nochmal nachzählen. Ich denke, so 40 bis 50.
Der Betriebsstundenzähler hat sich um 130 Std. weiterbewegt.
Dabei sind 460 l Diesel verbrannt worden.

Es gab unterwegs keinen technischen Defekt (wenn man mal den häuslichen Stromausfall am Anfang des Urlaubs weglässt). Von unserer Lady Ann sind wir aber auch nichts anderes gewöhnt.
Macken, Kratzer, wie meist auf unseren Fahrten, Fehlanzeige. Ach, fast vergessen, ein Bierglas und ein Flaschenöffner sind nicht mehr. 😉
Das Wetter hat auch weitestgehend mitgespielt. Bei 10 Wochen Reisezeit sind insgesamt etwa 2 Wochen Schietwetter völlig normal und daher zu vernachlässigen.


(2632 Zeichen)
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Ort Entf.
km
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sichtbar:

(Ø: 6.4 km/h, 3 kg/h, 0.5 kg/km)


687.1

106.9

325

über alles:

(Ø: 1.8 km/h, 0.5 kg/h, 0.3 kg/km)


7115.9

4051

2178


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